Vortrag Bienenfreundliche Hausgärten

Aufmerksame Zuhörer lauschen den Ausführungen von Gärtnermeister Otmar Seidel

  

Biodiversität im Hausgarten - leicht gemacht

 

Gärtnermeister Otmar Seidel aus Haibach, überaus kompetenter Gartenfuchs und begnadeter Referent in Gartensachen, hielt am Montag, 25.03.18 im Vereinsheim des Obst- und Gartenbauvereins Johannesberg vor gut 50 interessierten Naturfreunden einen Vortrag zum Thema „Bienenfreundliche Hausgärten“.

 

Überzeugend stellte er die Natur als sich selbst regelndes System vor, das 30000 Jahre der Menschheitsgeschichte unbeschadet überstanden habe. Die Vielfalt von Flora und Fauna (neudeutsch: „Biodiversität“) sei Garant für die Erhaltung des Gleichgewichts in der Natur.

 

Allerdings  haben die massiven Eingriffe des Menschen in der Ära seit Beginn der Industrialisierung, insbesondere auch der industriellen Landwirtschaft, der Natur sehr großen Schaden zugefügt. So seien 40-60 % aller Insekten verschwunden. Das Phänomen des Insektensterbens wird jedem nach einer Autobahnfahrt bewusst, wenn er von seiner Frontscheibe  kaum noch Insekten entfernen müsse.

 

Schuld daran sei eine Kette von massiven Einwirkungen auf das Gleichgewicht der Natur:

Monokulturen, Flächenfraß, Umpflügen der Feldraine, Pestizide, Insektizide rotten direkt oder indirekt Insekten aus, besonders jene, deren Lebensinhalt es ist, durch ihre Nahrungssuche Blüten zu bestäuben. Gäbe es aber kaum noch Blüten, gehen Insektenpopulationen zu Grunde. Daraus folgt, dass viele Vogelarten, die sich von Insekten ernähren, in der Natur nicht mehr ausreichend Nahrung finden und ebenfalls verschwinden.

 

Seidel hält sich mit Klagen über diesen bedauerlichen Zustand nicht lange auf, sondern legt dar, dass jeder Einzelne etwas tun kann, um die Misere zu bekämpfen.  Die Gesamtfläche der Haus- und Kleingärten sei größer als alle Naturschutzgebiete in Deutschland. Hier sieht er einen potenziellen Ansatz, um im Kleinen die Natur zu schützen und den Insekten Lebensraum zu bieten, auf dass wir auch künftig in unseren Gärten Äpfel und Birnen ernten können und der Vogelwelt das fröhliche Zwitschern erhalten bleibt. 

 

Wie das geht?  Das fängt beim Boden an, der keinesfalls mit Kunstdüngern überdüngt werden darf, denn: „Überdüngte Böden schmälern  den Ertrag“. Stattdessen, so führt Seidel in bilderreicher Sprache aus, verwende man „Kompost … das Glück und das Gold des Bodens.“ Wenn man davon selbst nicht genügend in seinem Garten habe, könne man im Kompostierwerk aufbereiteten Kompostboden beziehen, was nicht teuer und zudem in der Wirkung viel besser sei als der im Discounter gekaufte „Spezialdünger“. Die Kostbarkeit organischen Bodens begründet er damit, dass es etwa 50 Jahre dauert, bis eine Bodenschicht von einem Zentimeter gewachsen ist.  Im Garten solle man den Boden, also „den Magen der Pflanze“kultivieren,  die „Symbiose von Licht, Wasser, Nahrung, und Boden“und damit das Überleben von Milliarden Mikroorganismen fördern.

 

Eine ausgewogene Anpflanzung verschiedener Gemüsesorten auf engem Raum verhindere Krankheiten und Schädlinge, und man könne auf Flächen, die sonst brach liegen, einjährige Sommerblumen aussäen, die ein reiches Blütenmeer hervorbringen.

 

Otmar Seidel bot den Besuchern in 2 1/2 Stunden einen kurzweiligen, informativen und dank seiner sympathischen, nahbaren Art auch erwärmenden Vortrag.  Zur Veranschaulichung brachte er seine Diasammlung mit (ja: Dias), die er mittels Projektor (nicht Beamer!) zeigte,  kommentierte und praxisnahe Tipps gab.

 

Der OGV-Vorsitzende Heinz Kreß dankte Otmar Seidel und gab der Hoffnung Ausdruck, dass  Motivation und Einblick der Anwesenden gestärkt worden seien, um nun die Biodiversität in ihren Gärten noch mehr zu fördern. Für die Zuhörer hatte er  kleine Tütchen mit Samen mitgebracht,  Saatmischungen, zum  Mitnehmen, um sie in den Hausgärten auszusäen.

 

So bleibt zu hoffen, dass der eine „Steingarten“oder der andere „Sportrasen“ im kommenden Sommer und dann für alle Zeiten einem Bauerngarten mit üppigen Blühflächen und glücklichen Bienen und Hummeln weichen möge.

 

(NA270319)

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